Where dreams comes true

Where dreams comes true

Ich bin an einem geliebten Ort, die Werkstatt wo ich gelegentlich aber seit Jahrzehnten an meinen Allerliebsten, den Zweirädern herumschraube. Während sich geschlagene Ritter dem Yoga, Gesundheitszentren und ähnlichem hingeben oder Prinzessinnen in ihren Türmen ewig vergebens auf ihren Prinzen warten, wende ich mich der mit Fett verschmutzten Kette zu. Entspannt poliere ich die Kassette zu hochglanz, denn Sand im Getriebe ist das letzte was ich gebrauchen kann. Ich sinniere dabei in Gedanken und überlege mir gerade wieviele Rahmen ich schon geputzt und gestreichelt habe. Ich bin bei Bike Nummer 4.

Das ist nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass Nummer 1 bereits in der vierten Klasse auf dem holprigen Schulweg zum Einsatz kam. Und ich kenne noch alle ihren Namen! Der billige neongelbe Stahlesel mit Traktorpneu von der Migros, das «Heavy Tool», das «Votec M6» und das «Genius MC LTD». Ich zähle die Kilometer nicht, aber die Dinger müssten einige schöne Betriebsstunden mit mir verbracht haben. Nummer 5 habe ich bereits gesichtet, mal schauen ob es ein schneeweisses «Opium 7» oder ein kohlrabenschwarzes «Ransom» wird.

Ich mag mich aber auch noch gut an meine aller ersten Zweiräder erinnern. Fortbewegungsmittel sind was tolles, vorallem wenn sie nicht stinken und keinen unnötigen Lärm machen. Immer dann, wenn wieder ein Heissluftballon knapp über die Dächer fuhr, wusste ich, mit dem Velo werde ich diesen früher oder später erreichen können. Auch die ersten Fluchtversuche habe ich damit gemacht, weil es zu Hause wiedermal mühsam wurde und schon früh die Erkenntnis, dass die Flucht keine Lösung ist. Heute habe ich es einfacher, den Leuten bin ich hier schon längst über die Köpfe gewachsen – kein Bluff, ich muss es nicht mal nachmessen.

Es müssen nicht immer Mountain Bikes sein, die eignen sich sowieso nur für ausgefuchste Rally-Piloten und Pilotinnen. Der Ausflug mit dem klassischen Herren- und Damenrad, zu zweit in die nächste Beiz dürfte vielleicht auch für befreite Köpfe sorgen.

Die «Tools» sind ein wichtiger Bestandteil meines Daseins. Meine Arbeitskollegen und andere Mitstreiter bekamen natürlich immer das bessere Material zur Verfügung gestellt, vielleicht wiedereinmal so ein taktisches Manöver von alten Hasen. Mir egal, aber mühsam und kräftezerrend allemal. So manches Theater wurde mir an verschiedenen Schauplätzen vorgeführt, so mancher Jäger hatte die Flinte auf mich gerichtet und der Schuss ging dann prompt wieder nach hinten los, da bin ich ausnahmsweise mal unschuldig. Gut möglich, dass er dabei sein Gesicht verloren hatte, mir egal. Dafür habe ich nette Schuhe gekriegt und beachtet vielleicht ihre Namen. Ihr wollt wissen wie es ihm Jenseits aussieht? Do it yourself!

An ein Ereignis hier in der Werkstatt mag ich mich noch gut erinnern, als ich mit meinem ersten Stifti-Lohn eine der ersten hydraulischen Bremsen (Magura Race-Line D) meinem «Heavy Tools» zum Geburtstag schenkte. Arbeiten war eine neue Erfahrung, damit ich, wenn das Budget passt ein paar Wünsche erfüllen kann. Zuerst musste ich mich aber gehörig versklaven lassen und gelegentlich ein paar Brötchen auf die Seite legen, damit ich mir die besten Arbeitsgeräte auch gleich selber kaufen konnte. Und warum immer an jedem Arbeitstag in die überfüllten Pendlerzüge steigen, wenn ich auch zu Hause arbeiten kann. So bin ich irgendwie in die Selbständigkeit gerutscht. Nur die einfachste Form die rechtsgültig ist, ich will mir kein Lebenswerk schaffen, einfach nur ein Zeitvertreib, wo ich für andere Gutes tun kann und in dem Fall habe ich auch meine Freude daran. Kein Fremdkapital, kein PKZ, kein Papa Staat und schon gar keine Investoren mit zinses Zinsen, welche mir meinen Schlaf rauben würden.

Mir wird schliesslich nichts geschenkt, aber darüber bin ich gar nicht mal so unglücklich, denn so habe ich freie Hand – alles andere könnte ich schon gar nicht Verantworten – und die schönsten Dinge lassen sich nicht einfach so «schenken». Weisheit, Tugend, Respekt, Selbstvertrauen und die daraus entstehende Sicherheit in so mancher Lebenslage, sowie Kräfte die nicht nur für meinen Wohlstand sondern auch für die manchmal etwas mangelhaft vorhandene «Wohlfahrt» dienen. Sind alles Dinge die man sich nur verdienen kann, dass dabei gelegentlich etwas vom Lohn ins Sparkässeli wandert, damit ich mir einen Spassfaktor gönnen kann, ist ein angenehmer Nebeneffekt.

Autos sind Nutzfahrzeuge und ich durfte netterweise gelegentlich eines borgen. Wenn es nicht zur Verfügung stand nahm ich Velo und Zug, im Nah- und Stadtverkehr bin ich mit meinen Zweirädern komfortabler und meist schneller unterwegs. Trotzdem, wenn ich gelegentlich auf Vierräder fahre, entwickeln sich immer wieder grosse Leidenschaften. Kurz und knapp die Gänge durchschalten, die Beschleunigungskräfte geschmeidig aufbauen und an den Grenzen alles wieder schön entladen. Den Berghinauf und runter, in den Kurven hin und her. Und ich habe dabei schon den einten oder anderen Beifahrer in den Schlaf gewogen.

Damals etwa um die Jahrtausendwende wollte ich den Volvo V70 Kombi, die waren noch schnittig und in Schweden gab es sie in allen Farben, aber die aktuellen Modelle sehen nun aus wie Familienpanzer und das mit den Volvos ist sowieso Frauensache. Der VW Touran war auch im Rennen, aber eine Familienkutsche brauche ich nicht und die Preise sind auch nicht das was sie einmal waren. Kaum mehr ein Wagen fürs Volk.

Ich bin jedenfalls der Meinung, die Ringe gehören nicht an die Finger – ich finds eklig und bekomme nur Hautausschläge davon. Nein, die Ringe gehören vielmehr auf einen schicken Kühlergrill. Bei mir hat der Spass nämlich erst so richtig begonnen: Herr der Ringe (TEIL ZWEI)

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Was für eine Raubkatze… Was für eine Schnauze… Da dürfen die «Chicks» vielleicht noch so knapp auf den Schleudersitz Beifahrersitz.

Mache das was Männer scheinbar tun müssen. Den Vätern ihre schönen Töchter ausspannen – aber das tue ich ja eh schon die ganze Zeit und es wäre eigentlich nicht einmal meine Absicht. Und natürlich die Freiheiten geniessen, sofern mann es kann und ich werde meine Bikes bestimmt nicht vergessen können. 

Ich weiss… premium, erste Klasse und ein Wagen, der eigentlich nur den Leuten von der Teppichetage vorbehalten ist, aber ich meine dieses Gerät habe ich alleine verdient, für etwas habe ich mich ja schliesslich Selbständig gemacht und zur Elite gehöre ich sowieso schon längst.

170 Rösslis 200 Rösslis sollten ausreichen, der 1.8 Liter 2.0 Liter FSI ist noch so vernünftig und der Abgasturbolader gibt dann der Büchse den Rest. Sportsitze in den ersten Reihen und entsprechend abgestimmtes Fahrwerk und die dazu passenden 17 Zoll 18 Zoll Alufinken. Die Kiste selbstverständlich in Phantomschwarz wie es sich für eine Ganoven-Karre gehört – ich möchte auf den Strassen einfach nicht auffallen und mich nicht unnötig in Szene setzen.

Das sind schon andere Dimensionen, die rote japanische Reisschüssel von Papa… Tss…

Schnelle Autos, schöne Bikes und heisse … Nein, nein, ich bin immer noch der nette Junge aus der ersten Klasse geblieben. Mein Kontingent an Gnade und Geduld ist halt leider nicht grösser geworden, deshalb ab und zu hier diese Tastenhauerei. Man möge mir diese Kleinigkeit verzeihen.

posted by chrigu  |  on 26. Mai 2009
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