Wahllos

Wahllos

Diese Tage habe ich Post bekommen, so ein Päckli in der Grösse eines dicken C5 Couverts. Es freut mich wenn ich Post bekomme, diese wird in der Regel sofort geöffnet, dass ist zum Beispiel der Fall, wenn darin eine neue Musik CD liegt, die ich mir bestellt habe. In dem oben genannten Fall liegt aber dieses dicke C5 Couvert mit dem Absender «Wahl- und Abstimmungsunterlagen» immer noch ungeöffnet auf meinem Schreibtisch und es wird wohl soweit kommen, dass es zwar nicht durch einen natürlichen Zersetzungsprozess in seine Ursprungsbestandteile zerlegt wird, aber irgendwann findet dieses Päcken den Weg ins Nirwana. Ein paar bessere Leute würden mich nun als Chaoten bezeichnen und darunter gibt es sicher auch noch ein paar die sich das Wünschen würden, es ist ja alles viel einfacher, wenn man jemand hat, dem man sein dummes, unzufriedenes und selbst gegrabenes Schicksal unterstellen kann. Ich nenne diese Leute mal schwarze Schafe, aber keine Angst auch darüber bin ich Herr und Hirte.
Wer mich kennt weiss es besser, dass meinem «Machen» ein fundiertes Tun und Handeln vorausgeht. So will ich erklären warum meine «Wahl- und Abstimmungsunterlagen» demnächst ins Altpapier fliegen.

Das Parlament und die Politik ist etwas zwischen Links und Rechts, und wer einmal zur Schule ging weiss es. Jemand sagt Ja und es gibt dabei bestimmt jemand der sich sofort mit einem lauten NEIN meldet. Und es gibt Leute die spielen dieses Spiel nach zig Jahren immer noch gerne und sitzen in diesem überdimensionerten Klassenzimmer in Bern. Ich bin dort nicht anzutreffen, weil ich weder ein dickes Portemonnaie besitze und ich auf der rechten Seite Platz nehmen müsste, weder noch bin ich ein Armer in lausigen Birkenstöcke und müsste auf der Linken Seite Platz nehmen – das ist nicht lustig! Und schon gar nicht hocke ich in der Mitte, weil ich kein Portemonnaie habe sondern eine Bank und somit Bares nicht so eine Rolle spielt.
Klar dürft ihr eure Krativität ausleben und Vorschläge basteln, was man alles «machen könnte», falls ich das Gefühl habe, dass etwas aus dem Ruder läuft, nehme ich mir die Mühe und schicke euch dieses Wahlcouvert ausgefüllt zurück.

Autorität ist ein Geschenk, sie wird einem aus gutem Grund gegeben. Man hat Respekt. Es gibt aber auch die erzwungene und auferlegte Autorität, man nennt sie Justiz. Was diese so veranstalten kann, habe ich letzten Samstag im Fernseher gesehen.
Es war wie im Mittelalter, als stolze Mannen mit ihren Fahnen versuchten über die Nideggbrücke in die Stadt einzudringen, das schwere Geschütz voraus. Doch junge Ritter hielten mit Gewalt dagegen.
Ich weiss jetzt nicht, ob man einem uniformierten beweglichen Apparat, der mit langen Lanzen und schwerem Geschütz auffährt, eine gewisse Autorität schenken kann, jedenfalls erzeugen solche Gebilde mehr Angst und Provokation als Respekt. Wenn ihr es mit Hunden zu tun gehabt hättet, ich glaube ihr hättet Leib und Seele verloren.
Wenn ihr übrigens lernen wollt, wie man mit Hunden umgehen kann, dann empfehle ich euch mal einen Spaziergang auf der Münsterplattform oder vor der Reithalle. Dort gibt es Leute, die haben mehr Zeit für ihre Lebewesen als für dieses überdimensionierte Klassenzimmer, für den bitteren Wein oder die vielen Zeitungen. Ich wette, eure Kinder liefen letzten Samstag auf der Strasse herum, weil ihr allzu sehr mit diesen wichtigen Dingen beschäftigt wart.

Wenn ihr mir noch einmal junge Menschen als Chaoten bezeichnet, bezeichne ich euch als Idioten, weil ihr habt einfach gewisse Dinge noch nicht begriffen.

posted by chrigu  |  on 8. Oktober 2007
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