Tag des Lärms

Tag des Lärms

Heute ist der Tag des Lärms und da will ich einen Beitrag leisten, doch dazu etwas später.

Eigentlich hätte ich mein Aufsatzthema «Freizeitgestaltung» nennen wollen, nun Aufsatzthemen spielen zur meiner Erleichterung schon lange keine Rolle mehr, aber dies wär jetzt schon wieder ein anderes Thema.

«Lebenslauf» war auch mal so ein Aufsatzthema in der Schule, um bei unseren ersten Anstellungen einen guten Eindruck zu machen und da wusste ich dann auch worüber ich schreiben kann und zwar über meine Freizeitbeschäftigungen. Seit meiner Selbständigkeit sind zwielichtige Referenzpersonen, besuchte Schulen, Zeugnisse und goldene Karriereleitern ebenso uninterressant wie Personalverantwortliche und so bekommt der Punkt «was tun sie in ihrer Freizeit» wieder eine neue Bedeutung. Doch keine Sorge, spätestens mit der Pensionierung kommen dann alle dran.

Die letzten paar Wochen waren ziemlich durchnässt, was soviel heissen will, dass ich nicht stundenlang velöle und durch tiefe Wasserpfützen pflügen kann. So brauche ich hin und wieder ein schlecht Wetterprogramm und darum bin ich über Ostern in den Keller gestiegen und habe mir eines meiner Lieblingsspielzeuge ausgegraben.

Das Nordlead war einer der ersten virtuell analogen Synthies überhaupt, die damaligen rein analogen Synthesizer in den siebziger Jahren waren klanglich unübertrefflich, aber in ihrer Baugrösse kaum in einen Keller zu kriegen. Findige Schweden haben die Eigenschaften der edlen Transistoren und Widerstände analysiert und damit Computerprogramme entwickelt, die grosse modular aufgebaute Synthesizer simulieren können. So kommt es, dass sich hinter dem Kleid des Nordleades ein Computer verbirgt, der die Eigenschaft eines uralten elektronischen Bausteines nachrechnet, wobei das Prinzip und die Tonerzeugung alleine ganz einfach wären. Für einen technisch Interressierten wie mich bietet sowas mehr als eine gewisse Anziehungskraft.

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So habe ich es mir auf meinem Wohnzimmerboden gemütlich gemacht und beschäftige mich wieder mit der subtraktiven Klangsynthese, Oszillatoren, Sinus- Sägezahnwellen, LFOs, Resonanzfiltern und haue wieder ein wenig in die Tasten.

Das Prinzip der Virtualisierung hatte in den letzten Jahren komplett die ganze Studiotechnik erfasst, was ich mir damals mangels Budget kaum leisten konnte oder erträumt hätte, liegt jetzt in einem kleinen Alukistchen auf meinem Wohnzimmerboden. Mein Vorgänger konnte damals gerade mal ein paar Noten und Befehle verarbeiten, was ein Rack mit Instrumenten erforderlich machte, welches dem Budget entsprechend aussah. Als ich noch als Teil einer Bande auf kleineren Bühnen und Katakomben unterwegs war, wurde dieses Rack auch gerne als Ablagefläche für Bier und andere Flüssigkeiten verwendet, dieses Feature wurde nun eliminiert, geblieben ist aber immer noch dieser verfluchte Kabelsalat und in gewissen Situationen hilft dann auch nur Fachliteratur weiter – an den physikalischen Gesetzgebungen ändert sich scheinbar nie etwas.

Ich bin durchaus auch mal Freund von lauter und schneller Musik, Tom Morello von «Rage Against The Machine» hilft mir dabei und wenn ich will, tut er es auch in der richtigen Tonart. Die Dynamik bis ans Limit komprimiert, wie es sich für laute und schnelle Musik gehört. Die Geschwindigkeit hat sich bei etwa 180 Schlägen pro Minuten eingependelt – da entwickelt sich bei mir das beste Drehmoment.


So verbringe ich die durchnässten Tage unter dem Hausdach bei angenehmer Temperatur, aber auf einem harten und schmerzenden Wohnzimmerboden. Irgendwie hatte ich doch da vor langer Zeit auch noch ein entspannenderes Hobby …ich geh glaub nochmals in den Keller.

posted by chrigu  |  on 16. April 2008
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