Banken
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Es war irgendwann mal in den vergangenen Wochen, ich weiss nicht mehr genau an welchem Tag, aber es würde mich nicht verwundern, wenn es kurz vor dem Tag gewesen ist, als die Credit Suisse ihre schlechten Quartalsergebnisse präsentieren musste.
Die Geschichte nahm ungefähr hier ihren Anfang. Ich hatte mir einen Drucker gekauft mit dabei war eine sogenannte «Feriengeld-Aktion», was soviel hiess, dass ich beim Vorweisen des Kaufbeleges direkt vom Hersteller CHF 250 Stutz zurück erstatten bekomme. Ich finde solche Aktionen super, auch wenn es sich für viele gar nicht lohnen dürfte, es soll ja Leute geben deren Stundenansatz sich etwa in dieser Höhe und darüber bewegt. Da ich mich nicht zu diesen zähle, sandte ich nach dem Durchlesen der Vorgehensweise und deren Spielregeln diesen Kaufbeleg per Post in Richtung Deutschland. Zwei Monate später erhielt ich nach meiner Nachfrage eine E-Mail von einer in Irland ansässigen Firma, meine Gutschrift könne nicht überwiesen werden – dabei hatte ich doch per Copy&Paste meine internationalen Bankverbindungen ins Online Formular eingegeben und erfolgreich übermittelt, damit keinesfalls eine Ziffer verloren geht.
Nun ich bin Ausdauersportler und gebe so schnell nicht nach – ist halt etwas schlecht für diese Cashback Firma… – und so erhielt ich nach ein paar Monaten und vielen Mails später per Post ein wahres Kunstwerk zu Gesicht. Ein Check einer irischen Bank, welche Freude mir doch so ein schön gestaltetes Werk machen kann, schon allein deswegen war mir der Aufwand bis hier her Wert.
Kunstwerke werden auch mal wertlos, dann wenn sie halt einem keine Freude mehr machen und in dem Fall soll man sie doch anderen Leuten weitergeben. Das wollte ich tun und ich ging zur Post, dort wo ich meine tausender Noten gelagert habe, weil zigmal die gleichen Kunstwerke brauche ich nicht zu Hause zu stapeln. Die Post hatte nicht so Freude an meinem neuen Kunstwerk und schon gar nicht wollte sie diesen schönen Check in Bares umtauschen. So lief ich ein paar Strassen weiter, denn auf diesem Check hatte ich plötzlich einen Empfänger ausgemacht, jedenfalls hatte ich rechts neben den Lettern «CHF 250» auch ein mit fetten Lettern gedrucktes «TO:» gefunden. Ich gestehe dem Englischen nicht hundertprozent mächtig zu sein, doch da war ich mir sicher, die darauffolgende Adresse dürfte der Inhaber meiner 250 Stutz sein. «Credit Suisse» stand auf der ersten Adresszeile und so begab ich mich unter den Lauben der Bernergassen zur Credit Suisse Hauptfiliale. Ich durchlief mit meiner MAMMUT Jacke diese Hallen der Credit Suisse und kam mir dabei etwas Fremd vor, ich war noch nie in einem extravagenten und gediegenen Laden wie hier, nicht zu vergleichen mit einem Porzellanladen.
Es war sehr still und verhalten hier, aber ich hatte was gesehen, dass einem Empfang glich. Die etwa gleichaltrige Dame war gerade nicht besetzt, während ihre Nachbarin mit einem Kunden beschäftigt war, weshalb ich mich bei ihr mit meinem kleinen Kunstwerk vorstellig machen musste. Die Lady gekleidet in schwarzen Roben, war leicht gehässigt, etwas agressiv und vorallem scheinbar gereizt. Sowas treffe ich ab und zu mal an, weshalb ich dann immer wieder einen guten Grund mehr finde, mein unbekümmertes Junggesellenleben weiter zu leben. Sie gab mir laut und deutlich zu verstehen «Sie sind nicht Kunde (sprich ich habe kein Credit Suisse Konto), wir können ihnen keine Checks auszahlen». Ich sagte ihr, dass ich sie aus bestimmten Gründen aufgesucht habe, wobei meine Blicke in diesem Moment Richtung Kunstwerk zielten und ich mit meinem Zeigefinger nun etwas ungeduldig auf diesen Adresszeilen meines Checks herumtippte. Das die Credit Suisse nun im Besitz meiner 250 Stutz sein könnte, war auch für sie plötzlich nachvollziehbar und mich jetzt einfach wieder auf die Strasse setzen hielt sie irgendwie auch nicht für richtig, also nahm sie das Telefon in die Hand und rief um Hilfe. Ich meine irgendjemand hier muss sich ja mit den Geldgeschäften auskennen. Während sie sich die Etagen dieser Bank hochtelefonierte – und es dauerte und dauerte – wandten sich meine Blicke mal den schwarzen Roben entlang nach unten. Nun ja, vielleicht würde ich ja doch noch Gründe finden welche meinem Junggesellen leben etwas abtun würden – Nö, also ich seh da nur Schwarz.
Und endlich… mein Warten hatte ein Ende. So dachte ich jedenfalls, als ein Herr im «Banken-Standart-Kostüm mit rotschwarzgoldener Krawatte» den Lift herunter gefahren kam, er war so im reiferen Alter, weisse Haare und seine Augenlieder wogen schwer und übermüdet. Er wollte mir nicht gleich seine Bank vorstellen, aber er erzählte mir mit Begeisterung von seinen Produkten, «Das sind die Vorzüge, wenn sie bei uns ein Bankkonto haben… wir nehmen auch Postchecks, wobei die Post da schlecht ist und keine Bankchecks entgegen nimmt». Ich kann den Menschen gut zu hören und ich nehme mir Zeit dafür, für alle Sorgen die sie plagen. Trotzdem hielt ich es nach einer gewissen Zeit für richtig, ihn zu unterbrechen. Ich bin auch ein sozialer Mensch und denke auch bei ökonomischen Fragen an meine Nachbarn. «Wenn es sich für sie lohnt, dürfen sie mir gerne ein Konto für 250 Stutz eröffnen, auch bedanke ich mich für die Zeit und ihre Bemühungen, die sie auf sich nehmen». Und plötzlich fand er sein Credit Suisse Bankkonto doch nicht mehr so gut, gab Befehle an ihre Mitarbeiterin und verschwand relativ schnell in sein einsames Büro in den oberen Etagen zurück. Aber immerhin, meine CHF 250 schienen mir greifbarer als jemals zuvor.
Nach einem Telefonat und einem wohl kaum lesbaren Fax meines Checks nach Zürich wurde mir erklärt, dass es jetzt doch möglich sei diese 250 Stutz zumindest auf mein Postkonto zu überweisen. Zuerst wollte mich die Dame gar nicht mehr aus dem Laden lassen, die Türen wurden verschlossen – wegen den Öffnungszeiten – und ich fand dann doch einen Weg nach draussen. So verliess ich die Bank mit vier Seiten Papier mit Veträgen, AGBs und ich war mir nach diesem Theater wirklich nicht mehr sicher, ob ich diese mir zustehenden CHF 250 überhaupt jemals zu sehen bekomme. Na ja, hoffentlich hatten die Leute wenigstens Freude am Kunstwerk, welches ich ihnen vorbei gebracht habe.
Letzte Woche habe ich einen Geldbetrag von CHF 210 auf meinem Postkonto erhalten, der Absender «Credit Suisse» und eine Bemerkung: «Spesen/Bearbeitung CHF 40».
Da gibt man den Mitarbeitern von diesem Laden betriebswirtschaftliche Tipps wie man nicht Rückwärts macht, sie verdienen dank meinem netten Besuch etwas Geld und zum Quartalsende präsentieren sie nichts als Verluste.
Liebe …ach, ich weiss gar nicht was ich euch Leuten für einen Namen geben soll… Ich weiss nicht was ihr jahrelang studiert hattet, aber ihr müsst da glaube ich nochmals über die Bücher. Halt nein, ich weiss ja nicht was ihr da für Bücher gelesen habt. Ich sags darum klar und deutlich: «Schaltet mal eure Köpfe ein!»