Allegra e bainvgnü

22.Oktober 2011

Allegra e bainvgnü

Ein Weilchen ist es jetzt her, seit ich mich das letzte mal an den äussersten Zipfeln des Engadins niedergelassen habe. Genau drei Jahre weiss ich aufgrund meines Logbuches zu rechnen.

Dieses mal bin ich allerdings nicht auf der Flucht. Auf den ellenlangen Tunnel kann ich verzichten, meine neue Beziehung machts bekanntlich möglich. Die paar Kehren über den Flüelapass kommen mir so kurz vor, wie die Hausrunden über den Frienisberg. Der Sven Hedin – der weisse VW Bus, tingelt dagegen in Sardinien im Kreis herum und ich bin gespannt wie lange der’s noch machen wird, seine goldenen Streifen sind längst vergilbt und ich sehe den Tag kommen, wo wir in unserem Garten das Grab schaufeln müssen. Einzig die gut bestückte und eingerichtete Küchennische wird mir ein wenig fehlen.

The Inception

24.September 2011

The Inception

Ich habe es immer noch mit diesen Ringen. Kreise werden an einem Punkt begonnen und in einer langen Kurve am selben Punkt wieder geschlossen. Einer der grösseren Kreise – weil es mindestens schon ein Jahrzehnt her ist – schliesst sich mir hier.

Und es kommt mir gleich vor als wäre es erst gestern gewesen. Die Arbeitswochen wurden damals organisiert und durchgestaltet, dass ist durchaus praktisch. Die freien Wochenende im Seeland waren dann wieder neblig – null Sicht. Alle Woche wieder am Donnerstag nach Schulschluss mit Kameraden auf der Plattform vor dem Münster das Foster’s Bier kippen, dass konnte irgendwie noch nicht der höchste Punkt gewesen sein. Nein, ich wollte da etwas tun.

Laufbahnentscheidung

18.Juli 2011

Laufbahnentscheidung

Das hat nichts damit zu tun, in welche Umlaufbahn ich mich schiessen lassen möchte, nichts womit ich die Bodenhaftung verlieren könnte. Nur Entscheidungen waren für mich bis anhin immer wieder die grosse Qual.

«Die richtigen Weichen stellen» genoss für mich ganz enfach einen zu hohen Stellenwert. Sollte ich nun auf die Fahrradtour oder aufs Gurtenfest? Radeln kann ich schon fast jedes Wochenend, das Gurtenfest gibts nur einmal im Jahr, also 1:0 fürs Gurtenfest.

Ob der Kollege auch alle Tage bleiben kann? Nein, dass kann er nicht. Heiraten müsse der Verwandte am Sonntag noch. Heiraten tut man schliesslich nur einmal im Leben, das Gurtenfest gibts dann mehrere male noch. 1:0 für die Heiraterei? Vonwegen, das Gurtenfest schenkt mir alle Jahre wieder ein neues Leben.

The Sequel

2.Mai 2011

The Sequel

Wild wuchs das Gestrüpp mit diesen Dornen im Garten, seit Jahren muss es sich tief verwurzelt über meinen Palast gelegt haben. Nur mit Mühe und viel Kraft konnte ich dieses dicht verwobene Geflecht mit all den möglichen und unmöglichsten Gartengeräten aus dem Hang entfernen. Schweissperlen waren ein Nebenprodukt, geflucht habe ich kein einziges mal, ein Befreiungsschlag!

Die zwei darauf erschienenden Geister ganz gross und klein waren irritierender, als ich es mir zuerst eingestehen wollte, begleiten mich im Garten seither an meiner Seite. Muss wohl vor wenigen Jahren auf dieser Berner Tanzfläche gewesen sein – an solchen Orten lässt sich gut erkennen, ob vier Füsse gegebenenfalls schon im vornherein gegenseitig aufeinander herumtrampeln, aber darüber wollte ich jetzt eigentlich nicht mehr weiter schreiben.

Finale

30.Mai 2010

Finale

«Finale» ist nicht etwa der letzte Akt eines langen Theaters und auch nicht grosses Kino, wie man aus dem Titel vielleicht schliessen würde. Insider wissen, mit Finale ist hier eine Ortschaft in der italienischen Region Ligurien gemeint. Wilde Tiere kommen hier her, lassen sich von Steinen und Felsen zähmen – weil es vielleicht sonst niemand tut. Sportkletterer suchen gesichert an Seilen nach griffigen Kanten, breite Reifen finden gesichert durch meist horizontale Fliehkräfte und mit ebenso viel Kraftaufwand kontrolliert ihre Pfade.

Aber beginnen wir doch ganz vorne, da wo sich der Horizont ins Unendliche zieht. Tiefblau ist das Mittelmeer, hellblau mit weissen Wolken befleckt der Himmel. Die Strandkörbe noch weitgehendst leer, ein Blick genügt mir, es gibt sonst nicht viel zu sehen. Schon interessanter sind da die mit Milch dicht geschäumten Kaffetassen, welche es entlang der mit grossen Palmen gesäumten Strandpromenade gibt. In Reih und Glied stehen die Cafés aneinander, wie die edlen flachen vierrädrigen Karrossen gegenüber. Ob mir das reicht? Nein, natürlich nicht.